Unaussprechlich

Ein kalter Wind streicht ihr um die Nase. Ihr Herz erzittert. Gedankenversunken durchwandert sie die Straßen. Ihre Schritte werden von dem Geräusch des Regens erstickt. Die kleinen Tropfen fallen unermüdlich auf Sie herab. Feuchte Haarsträhnen kleben an Ihrer Wange. Die kapuzenlose Jacke liegt schwer auf Ihr. Ein beklemmendes Gefühl legt sich auf Ihre Brust. Ihre Gedanken schleichen auf Feldwegen, voller Blumen und grüner Gräser. Sie blickt leer in die dunklen Gassen. Das gelbliche Licht der Laternen lässt ihre Augen funkeln. Die Kälte kitzelt Ihre Fingerspitzen, sodass sie Ihre Hände schützend in die Jackentasche steckt.

In Gedanken ist sie bei Ihm.

Närrische Gedanken überfluten Ihren Verstand. Sie spürt seinen warmen Blick. Sie hört seine raue Stimme. Ihr Herz erzittert. Die Erinnerungen gießen sich in ihr aus. Das müde Herz schlägt gegen die Regenskälte an. Das elektrisierende Gefühl kehrt wieder in ihr ein und erweckt die Schmetterlinge zu neuem Leben. In dieser kalten Regennacht treten sie erneut ihr lichtloses Dasein an. Sie flattern wild. Ihre Flügel kitzeln, schlagen leicht gegen ihr Herz. Sie senkt den Blick um ihre Tränen vor dem Ausbruch zu hindern. Die regennasse Haut glänzt im Laternenlicht. Unaussprechlich dieses Gefühl der vielen, langsam verendenden Schmetterlinge, die sich ihr Leben lang der Sonne sehnen.

Die Hoffnungslosigkeit erstickt sie. Ein beklemmendes Gefühl legt sich auf Ihre Brust. Tränen durchwinden die Barriere und vermengen sich mit dem Regen auf ihrer Haut. Bunte Schmetterlinge flattern um Blumen und grüne Gräser. Ihre Gedanken schleichen auf Feldwegen, sie verirren sich im Dunkeln. Die Erinnerung an die Sanftheit seiner Berührungen, die Stärke seiner Hände, den Impuls ihrer Vernarrtheit, lässt sie nun ersticken. Die Schmetterlinge flattern orientierungslos in der Finsternis. Sie ersticken. Die Hoffnungslosigkeit erstickt sie.

Der Rausch des Sterbens in ihr ist noch nicht verklungen.

© Hedda Rossa – April 2016